Individuelle Beratung für ängstliche, traumatisierte
und kranke Hunde aus dem Tierschutz

Wie Körper und Spiegelneurone helfen, Tierschutzhunde zu verstehen

Unsere Körpersprache und die Spiegelneurone des Hundes: Hilfe in der Kommunikation mit traumatisierten Tierschutzhunden

Die Körpersprache des Menschen spielt eine entscheidende Rolle in der Eingewöhnung von Tierschutzhunden – besonders, wenn sie traumatisiert sind. Dank der Spiegelneuronen reagieren Hunde sehr sensibel auf unsere Haltung, Bewegungen und Stimmung. Wer dies bewusst nutzt, kann traumatisierten Hunden Sicherheit, Vertrauen und Orientierung geben.

Wer schon einmal das Sozialverhalten wilder Caniden – etwa von Wölfen, Wildhunden oder Schakalen – in einer naturkundlichen Dokumentation beobachtet hat, wird die feine, hochdifferenzierte Kommunikation innerhalb dieser Tiergemeinschaften mit Staunen wahrgenommen haben. Mit nuancierten Bewegungen, subtiler Mimik und feinen Haltungsänderungen stimmen sie sich bei der Jagd, in Begrüßungssituationen, bei der Aufzucht der Jungen oder im Umgang mit Bedrohungen präzise aufeinander ab. 

Dass diese hochentwickelte Körpersprache nicht nur innerhalb ihrer Art funktioniert, sondern auch zwischen Hund und Mensch wirksam werden kann, verdanken wir – so darf man wohl sagen – den Spiegelneuronen. Sie sind die Grundlage dafür, dass ein Wesen das Verhalten eines anderen nachvollziehen, sich einfühlen, es imitieren und in Resonanz dazu handeln kann. Man könnte sagen: Sie sind das neurologische Fundament von Empathie, Kooperation und sozialem Miteinander – und womöglich ein wesentlicher Grund, weshalb sich Mensch und Hund über Jahrtausende hinweg so tief verbunden haben. 

Welche Rolle spielt unsere Körpersprache bei der Eingewöhnung von Tierschutzhunden

In der Eingewöhnungszeit eines Tierschutzhundes sind diese Fähigkeiten von besonderer Bedeutung. Denn auch wenn wir Menschen oft glauben, über Sprache mit unserem Hund zu kommunizieren, sind es in einem beträchtlichen Maße unsere Haltung, Bewegung, Mimik, Gestik und unser innerer Zustand, die weit mehr Wirkung entfalten als Worte es vermögen. Hunde beobachten uns mit einer Genauigkeit, die für viele Menschen erst dann sichtbar wird, wenn sie beginnen, sich ihres eigenen Körperausdruckes bewusst zu werden.

So können wir z.B. den Hund zum Mitkommen einladen, indem wir uns mit ruhigen Bewegungen selbst mit einer aufgerichteten Haltung in die Richtung unseres Ziels wenden. Das bedeutet unser Blick, unser Brustbein sind Wegweiser für unseren Hund.
Möchte ich, dass mein Hund stehen bleibt,  tue ich dies ebenfalls sichtbar und verharre einen Moment.
Ein sanftes Abwenden des Blicks, eine leichte Gewichtsverlagerung, eine angedeutete Armbewegung – das alles sind stille Botschaften, die Hunde gut lesen könne. Zum Einlass ins Haus kann eine einladende Geste mit dem Arm oder auch nur mit der Hand genügen, um dem Hund zu signalisieren, dass er nun vorgehen darf – eine Geste, die an das Verhalten wölfischer Elterntiere erinnert, die ihre Welpen instinktiv in die sichere Höhle oder bei älteren Jungtieren in sichere Unterholz geleiten. Geht es aber vom Haus nach draußen, zeigt eine subtile Wendung zum Hund hin und eine winzige Handbewegung, dass der Hund wartet und der Mensch erstmal vorgeht um abzuchecken, ob draußen alles in Ordnung ist.

Oft erinnern mich diese feinen Abstimmungen an die Gestik früherer Verkehrspolizisten, die mit ruhigen, eindeutigen Bewegungen mitten auf Kreuzungen den Fluss des Verkehrs regelten.

Gerade in der sensiblen Phase der Eingewöhnung kommt es darauf an, dem Hund mit einem klaren, ruhigen und respektvollen Körperausdruck Sicherheit und Orientierung zu geben. Das kann bedeuten, ihm mit leicht abgewandtem Körper und abgewendetem Blick zu begegnen, in die Hocke zu gehen statt sich über ihn zu beugen, ihn nur dann zu berühren, wenn der Impuls dafür von ihm ausgeht – und dann niemals von oben, sondern sanft von der Seite. Dreht er sich dabei weg oder zieht sich zurück, sollte die Berührung umgehend beendet werden.

Bei Angsthunden:
Nicht zurechtweisen – sondern non-verbal verständlich führen

Im heutigen Hundetraining ist häufig von „körpersprachlichen Interventionen“ die Rede – meist im Sinne von Grenzsetzung oder Korrektur. Doch was ich meine, ist ein ganz anderer Ansatz: ein körpersprachlicher Ausdruck, der nicht zurechtweist, sondern Hilfestellung gibt und so Beziehung aufbaut. Der nicht blockiert, sondern einlädt. Mein Ziel ist es, erwünschtes Verhalten zu fördern, indem ich mich dem Hund so mitteile, dass er mich auch verstehen kann und nicht nur konditioniert funktioniert. Gerade für Hunde aus dem Auslandstierschutz ist diese Form der nonverbalen Kommunikation oft der Schlüssel zu Vertrauen und ein wichtiger Baustein für echte Kooperation. Gemeinsame Spaziergänge werden so zu einem sehr bereichernden „Miteinander“ und es kann tiefe Verbundenheit entstehen. Sicher nicht immer, nicht an jedem Tag –Mensch und Hund sind nicht immer gleich gut drauf. Doch die Qualität dieser gegenseitigen Verständigungsform bleibt bestehen – als verlässliches Band zwischen Mensch und Hund.

Unsere Stimme als körpersprachliches Kommunikationsmittel

Auch unsere Stimme ist ein Teil unseres körperlichen Ausdrucks – und ein starkes Kommunikationsmittel im Kontakt mit unseren Hunden. Dabei achten Hunde erstmal weniger auf den Inhalt der Worte als auf das, was zwischen den Worten mitschwingt: den Klang der Stimme, ihre Modulation, das Tempo, die Lautstärke – und vor allem auf die emotionale Färbung, unsere Stimmung und unsere Erregung. Ein häufiges Missverständnis entsteht, wenn wir verbal Nähe einfordern („Komm her!“), unser Körper jedoch Abwendung oder Anspannung signalisiert – oder wenn unsere Stimme aggressiv wird. Für den Hund ist dies sehr verwirrend und kann seine Unsicherheit verstärken.
Gerade in der Eingewöhnungszeit kann es daher sinnvoll sein, weniger zu sprechen. Manche Hunde sind von Anfang an kommunikativ und lieben es sogar, wenn wir darauf eingehen, die meisten Hunde hingegen profitieren in dieser frühen Phase von möglichst wenig verbaler Ansprache. Weniger Worte bedeuten weniger Reize – und schaffen Raum dafür, dass sich der Hund auf unseren Geruch, unsere Bewegungen und unsere Präsenz konzentrieren kann.
Auch für uns selbst kann diese nonverbale Form des Miteinanders entspannungsfördernd wirken. Die eigene Wahrnehmungsfähigkeit kann auf diese Weise verstärkt in den Vordergrund rücken und das gegenseitiges Kennenlernen vertieft werden.

Im Zusammenhang mit unserer Stimme: Grenzen setzen kann man übrigens auch mit freundlicher Stimme – auf die Glaubwürdigkeit kommt es an!

 

Die hohe Kunst der Impulswahrnehmung

Im Zentrum dieser Form des Miteinanders steht die Fähigkeit, Impulse bewusst wahrzunehmen – und sie gezielt zu nutzen. Hunde sind in dieser Hinsicht wahre Meister. Ihre evolutionäre Entwicklung – insbesondere das gemeinsame Jagen im Rudel – hat sie gelehrt, Bewegungsimpulse ihrer Artgenossen zu erkennen, zu deuten und darauf zu reagieren. Diese Fähigkeit machen sie sich auch im Interagieren mit uns Menschen zunutze.
Es ist eine spannende Selbsterfahrung auf die eigenen Impulse zu achten. Sie verraten, was wir gerade vorhaben, z.B. sich hinzusetzen, sich umzudrehen, eine Tür zu öffnen.
Die Bewusstheit und Wahrnehmung unserer eigenen und der Impulse des Hundes machen sind spätestens bei der Arbeit an einer Jagdumlenkung Gold wert!

Traumatisierte Hunde brauchen individuelle Begleitung

So verschieden wie wir Menschen, sind auch unsere Hunde. Manche suchen von Anfang an Nähe, andere brauchen Distanz und einen geschützten Rückzugsort. Unsere Hündin Miko, die tiefgreifend traumatisiert war, verbrachte die ersten drei Tage und Nächte nach ihrer Ankunft in einem Zustand tiefer Panik – unfähig zu schlafen, nicht bereit, Nähe zuzulassen, aber auch nicht in der Lage, allein zu sein. Unsere „wild“ aufgewachsene Fina wiederum tat sich schwer, sich überhaupt auf eine von Menschen geformte Welt einzulassen.

Es gibt kein allgemeingültiges Rezept, keine Blaupause für den perfekten Beginn. Doch eines hat sich in all diesen Erfahrungen bewährt: Reduktion. Reduktion äußerer Reize, Reduktion von Anforderungen, Reduktion der eigenen Betriebsamkeit. In dieser ersten, hochsensiblen Phase ist es hilfreich, den Alltag zu verlangsamen – sich einfachen, ruhigen Tätigkeiten zuzuwenden: Teig kneten, Gemüse schnippeln, Erbsen pulen, Mandalas malen, ein gutes Buch lesen. Solche Handlungen bringen nicht nur uns selbst zur Ruhe – sie wirken oft erstaunlich regulierend auf unsere Hunde. Digitale Ablenkungen hingegen – etwa durch Smartphone oder Fernseher – sind weniger geeignet, da sie nachweislich Stresshormone freisetzen, deren Wirkung sich auf das Tier übertragen kann.

Die drei Z: Eine kleine Formel mit großer Wirkung

Und wenn es doch eine Formel geben darf – so schlicht wie wirkungsvoll – dann ist es diese:

Zeit – Zärtlichkeit – Zuwendung.

  • Zeit: Wenn es irgend möglich ist, gönne dir und deinem neuen Gefährten in den ersten Tagen eine bewusste Auszeit. Präsenz ist der größte Luxus, den wir schenken können.
  • Zärtlichkeit: Diese muss sich nicht in Berührungen äußern. Oft genügt ein weicher Blick, ein sanftes Blinzeln – Zeichen, die beim Hund das Bindungshormon Oxytocin freisetzen und Geborgenheit vermitteln.
  • Zuwendung: Sie beginnt mit dem aufrichtigen Wunsch, das Wesen vor sich zu erkennen und zu verstehen. Nicht zu bewerten, nicht zu erwarten – sondern wahrzunehmen.

 

Wenn du einen traumatisierten Tierschutzhund aufgenommen hast und dir mehr Sicherheit im Umgang wünschst, begleite ich dich gerne mit meiner individuellen Beratung. Gemeinsam entwickeln wir einen Weg, der Vertrauen, Ruhe und Verbindung schafft.

Tierschutzhunde verstehen
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